Eltville/Kiedrich/Walluf. Mit großem Interesse haben sich die Ehrenamtlichen in der AG „Kinder, Jugendliche, Schulen“ des Präventionsrates Oberer Rheingau in ihrer jüngsten Sitzung über neue Präventionsangebote informiert. Katja Dülfer, die Leiterin der Freiherr-vom-Stein-Schule, hat das Projekt „Eigenständig werden“, das sich an Grundschüler der ersten bis vierten Klasse wendet, vorgestellt. Das Programm „Eigenständig werden“ hat im Jahr 2004 den Präventionspreis erhalten und wird bundesweit an Grundschulen angeboten. Im Rheingau ist die Freiherr-vom-Stein-Schule allerdings die erste, die das Programm in den Unterricht integriert.
Katja Dülfer erläuterte, dass das Programm der Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsstärkung diene. Es handele sich um eine Ergänzung zum Schulunterricht. Damit sollten alle Arten von Suchtgefahren minimiert und dem Kind soziale Fähigkeiten vermittelt werden, um in dieser Welt zu bestehen. Im Vordergrund der Arbeit stehe die Kommunikation. Es gehe um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich, um die Auseinandersetzung mit dem Ich und den anderen und um das Ich und seine Umwelt.
Mit Hilfe des Programms solle die Persönlichkeit des Kindes gestärkt werden. Eine Selbstwertstärkung sei gleichzeitig eine suchtpräventive Arbeit, die sie sich an ihrer Schule zum Ziel gesetzt habe, so Dülfer. Sowohl das gesamte Lehrerkollegium als auch die Leiterinnen des Betreuungsvereins seien für „Eigenständig werden“ geschult worden. Das Programm baut auf dem Präventionsprojekt „Faustlos“ auf, mit dem die Kindergärten im oberen Rheingau arbeiten, stellt folglich eine direkte Fortsetzung der Präventionsarbeit dar.
Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der AG „Kinder, Jugendliche, Schulen“ im Präventionsrat Oberer Rheingau haben sich in ihrer letzten Sitzung zudem mit den Projekten für das Jahr 2010 beschäftigt. Sowohl die Kindergärten und Schulen als auch die Fahrrad-Werkstatt und die Jugendpflegen haben finanzielle Unterstützung für ihre Präventionsprojekte angemeldet. Dabei geht es meist um Beträge zwischen 500 und 1.000 Euro.
Die Kindergärten arbeiten kontinuierlich mit Programmen weiter, die das Selbstwertgefühl stärken. Die Gutenberg-Realschule Eltville möchte die Ausbildung von Streitschlichtern fortführen. Außerdem beantragt die Realschule für eine Neuauflage des Theaterstücks „Alkohölle“ in den Jahrgangsstufen 7 und 8 eine finanzielle Unterstützung. Mit dem Theaterstück soll das Thema Alkoholmissbrauch auf eine ungezwungene und intensive Art angesprochen und so Aufhänger im Unterricht werden. „Stark im Konflikt“ ist ein weiteres Theaterstück, das allen Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 7 an der Realschule gezeigt werden soll.
Das Gymnasium Eltville führt das Projekt Klassenpaten fort und bietet seinen Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9 in diesem Jahr einen Improvisationstheater-Workshop an. Es geht zum einen um die Erfahrung mit dem Improvisationstheater, zum anderen aber auch um Gespräche zum Thema Sucht. Alle Theaterleute sind ehemalige Drogenabhängige und die bisherige Erfahrung habe gezeigt, dass die Schüler vom Gesprächsangebot der Theaterleute regen Gebrauch machten, berichtete Susanne Böker vom Gymnasium Eltville. Ziel der Theatergruppe RequiSIT sei es, positive Erfahrungen über das Theaterspielen zu vermitteln, vor allem einen Zugang zu den eigenen Gefühlen und der Kommunikation darüber zu finden sowie Alternativen für die Freizeitgestaltung aufzuzeigen.
Die John-Sutton-Schule in Kiedrich beantragt finanzielle Unterstützung für das Präventionsprojekt des Kinderschutzbundes „Komm, wir finden eine Lösung!“, der Förderverein „Kleine Hexe“ an der Grundschule in Rauenthal beantragt einen Zuschuss zum Projekt „Optimaler Schulstart“.
Für die Fahrrad-Werkstatt der Arbeiterwohlfahrt wurden 500 Euro für die Anschaffung neuer Werkzeuge und neuen Materials beantragt. Außerdem benötigen die Jugendpflegen der drei beteiligten Kommunen Eltville, Kiedrich und Walluf finanzielle Unterstützung für ihre teilweise schon traditionellen Veranstaltungen und Angebote für Jugendliche.
Mit all diesen Anträgen der unterschiedlichsten Institutionen gehen die Sprecherinnen der AG „Kinder, Jugendliche, Schulen“, Iris Siepe und Christiane Schick-Jensen, im März in die nächste Sitzung des Kopf-Gremiums des Präventionsrates mit den Bürgermeistern der drei Kommunen und beantragen offiziell die Fördergelder für das Jahr 2010. „In fast allen Fällen stimmen die Bürgermeister unseren Anträgen zu“, freut sich Iris Siepe über die gute Zusammenarbeit mit Patrick Kunkel, Winfried Steinmacher und Manfred Kohl. Dies liegt vor allem an der fachlich guten Vorbereitung der Projekte in der AG und den bescheidenen finanziellen Summen, die für die Präventionsprojekte erbeten werden.
Eltville am Rhein, 4. Februar 2010