Eltville/Kiedrich/Walluf. „Wir laden alle Eltern und Erziehenden zu einer kleinen, informativen Vortragsreihe des Präventionsrates Oberer Rheingau ein“, die drei Bürgermeister im oberen Rheingau Patrick Kunkel, Winfried Steinmacher und Manfred Kohl sind stolz auf die Arbeit der ehrenamtlich Engagierten in der AG „Kinder, Jugendliche, Schulen“. Zwar gibt es immer wieder Menschen, die noch nicht wissen, dass der Präventionsrat Oberer Rheingau seit nun gut eineinhalb Jahren ein Beratungsangebot bereithält: Jeder, der Fragen rund um die Erziehungsaufgabe oder die Entwicklung der Kinder hat, kann sich kostenfrei an die Anlaufstelle des Präventionsrates Oberer Rheingau wenden, die im Mehrgenerationenhaus MÜZE in der Gutenbergstraße 38 in Eltville untergebracht ist. Das Beratungsangebot richtet sich auch an diejenigen Eltern, die getrennt leben oder geschieden sind, oder die eigene Sorgen haben und daraus negative Folgen für ihre Kinder vermuten. Die Anlaufstelle wendet sich aber auch ausdrücklich an Kinder und Jugendliche, die Sorgen und Fragen haben. Alle Anliegen werden diskret und vertraulich behandelt.
Aus diesen Gesprächen heraus ergeben sich immer wieder allgemeine Themen, die offensichtlich vielen unter den Nägeln brennen. Dazu organisiert der Präventionsrat nun eine kleine Vortragsreihe, die genau diese Themen – selbstverständlich völlig anonym – aus der Anlaufstelle aufgreift. Der Startschuss fällt am Donnerstag, 8. September, um 19.30 Uhr mit dem Vortrag „Man kann sich seine Eltern nicht aussuchen – Zur Gleichzeitigkeit einer Idealisierung, Überforderung und Unterschätzung der Familien“ von Professor Dr. Stefan Sell im Kurfürstensaal der Burg. Der Eintritt kostet 5 Euro und ist nur an der Abendkasse zu entrichten.
In seinem Vortrag wird Professor Sell einen Blick werfen auf die Veränderungen in den Familien – und zwar nicht nur „unten“, sondern auch in der „Mitte“ unserer Gesellschaft. Seine Hauptthese lautet: Wir erleben auf der einen Seite eine zunehmende Überforderung vieler Familien, die sich nicht nur bis hin zur Verwahrlosung ausprägen kann, sondern die sich am anderen Ende auch in einer zunehmenden „Überbehütung“ der Kinder manifestiert, die ebenfalls problematische Auswirkungen haben kann. Auf der anderen Seite wird immer noch die Bedeutung der Familie und der Herkunft für die weitere Entwicklung der Kinder unterschätzt. Deshalb müssen alle präventiven Konzepte das „System Familie“ noch stärker in den Blick nehmen. Prof. Dr. Stefan Sell ist Sozialwissenschaftler und Direktor des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der FH Koblenz (ibus).
Eltville am Rhein, 26. August 2011