Eltville am Rhein. Das Thema Medienkompetenz ist derzeit in aller Munde – so auch in Eltville. Bürgermeister Patrick Kunkel hat sich diesem Thema bereits seit Monaten verstärkt angenommen. Kunkel: „Nachdem wir im Frühjahr dieses Jahres die beiden Veranstaltungen für Eltern und Jugendliche zum Thema „Mein Leben im Netz““ durchgeführt hatten, wurde uns schnell klar, dass das nicht alles sein kann. Das starke Interesse an diesen Vorträgen zeigte, wie sehr das Thema vielen unter den Nägeln brennt. Deshalb plane ich, gemeinsam mit meiner Jugendpflege und kompetenten Kooperationspartnern, weitere Schritte, nicht nur um aufzuklären und zu schützen, sondern um für die Zukunft vorbeugende Maßnahmen und Programme fest zu installieren, die uns und unsere Kinder in dieser immer rasanter werdenden Medienwelt zurechtfinden lassen. Wir wollen und wir müssen handeln, das steht außer Frage!“
Wichtig dabei ist Kunkel vor allen Dingen die Einbeziehung der Schulen, ohne diese geht es einfach nicht. „Hier tummeln sich schließlich die Mediennutzer, hier kann und muss ausgebildet werden, denn mit den Kindern und Jugendlichen treffen wir ja die Nutzer von später, aus dieser Generation heraus entsteht die Medienwelt, hier können wir noch etwas tun“, so Kunkel weiter.
Medienkompetenz als Begriff kann heute sicher mit vollem Recht als ein wesentlicher Bestandteil von Allgemeinbildung angesehen werden. Sie zielt auf den Erwerb von Fähigkeiten, die einen sinnvollen, reflektierten und verantwortungsbewussten Umgang mit Medien ermöglichen. Es fehlt aber nach wie vor eine ausgebaute Infrastruktur in Bildungseinrichtungen. Jugendliche sind in diesem Bereich vor allem auf ihre eigene Cleverness angewiesen. Dabei bleiben die „Digital Natives“ oft auf einer reinen Performance-Ebene stehen. Indirekte Beeinflussungsmechanismen, das Bewusstsein für Gefahren oder auch die großen, kreativen Möglichkeiten des Internets entgehen ihnen oft.
Die Stadt Eltville gründete eine Arbeitsgruppe, bestehend aus den beiden Direktoren des Schulzentrums in Eltville, Angelika Morschheuser (Gymnasium Eltville), Werner Rogler (Gutenberg Realschule), Gary Schäfer (Fachberater am staatlichen Schulamt für die Sekundarschulen und Medienschutzbeauftragter an der Gutenbergrealschule Eltville), Günter Sauerwein (Jugendkoordinator der Polizei im Rheingau-Taunus-Kreis), Günter Steppich (IT-Fachberater am staatlichen Schulamt Wiesbaden und dem RTK für Jugendmedienschutz), Patrick Kunkel (Bürgermeister), Ursula Wolf (städtische Jugendpflegerin) und Birgit Roßkopf (Pressestelle der Stadt)
In dieser AG wurde als erste Maßnahme die Ausbildung von Jugendlichen zu so genannten „Medienscouts“ beschlossen. Dem Konzept der Peer-Education liegt die Annahme zugrunde, dass Jugendliche sich lieber von Gleichaltrigen beraten lassen, die zudem ein ähnliches Nutzungsverhalten haben. „Wenn wir auch zunächst nur eine kleine Gruppe ausbilden, so hoffen wir doch auf weit reichende Effekte, denn die ausgebildeten Medienscouts können ihr Wissen an andere weitergeben“, so Kunkel.
Zur Seite stehen ihnen die Medienschutzbeauftragten der Schulen, sowie die städtische Jugendpflegerin, die sich ebenfalls mit ausbilden lässt. Ziel ist es, ein festes Team zu bilden, das stets im Austausch bleibt. Da die Medienscouts selbst noch Heranwachsende sind, bedarf es einer „Rückfallposition“, das bedeutet, die Medienscouts brauchen feste Ansprechpartner, an die sie sich selbst bei Fragen zu Inhalten oder zum Umgang mit an sie herangetragenen Problemen wenden können.
Der Start der Ausbildung war am 1. November erfolgreich umgesetzt worden. Alle Medienscouts trafen sich dazu im JUZ. Es nehmen 14 Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 19 Jahren teil. Sie kommen aus den Beruflichen Schulen, aus dem Gymnasium und der Gutenberg-Realschule.
In den vier Stunden referierte Günter Steppich und auch Gary Schäfer, die Themen waren: strafrechtliche Folgen (Internetkriminalität), Datenouting, File Sharing, Cybermobbing, Pornographie, Spielsucht, Gewaltdarstellungen in Internetspielen (Egoshooter) und letztlich auch der Zusammenhang von übermäßiger Mediennutzung und Schulversagen.
„Die Ausbildung wird weiter fortgeführt, in regelmäßigen Abständen erhalten die Medienscouts eine Auffrischung, das muss, gerade bei diesem schnelllebigen Thema auch so sein“, so Ursula Wolf .
Die Jugendlichen erhalten selbstverständlich auch ein Zertifikat über die Ausbildung.
Als Medienscouts werden ausgebildet:
Lorenz Baum, Axel Bierbrauer, Franziska Bruns, Lisa Bauer (Honorarkraft des JUZ), Benedikt Bauer (FSJler der Stadt Eltville), Sebastian Drees, Alfonso Yuyay Guisaldo Radlik, Lena Zell, Jakim Seifert, Leonard Tamke, Peter Thomas, Mario Kreis, Jonathan Joey Peuser, Florian H. Motei (s. Foto)
Eltville am Rhein, 11. November 2011