Geschichte der ältesten Stadt im Rheingau

1332 bis 2007: 675 Jahre Eltville am Rhein

Am Fuße des Rheingaugebirges zwischen Rüdesheim und der hessischen Landeshauptstadt >Wiesbaden liegt auf einer 90m hohen Terrasse Eltville am Rhein, die Stadt des Weines, des Sektes und der Rosen, eine liebenswerte Kleinstadt, die auf eine große Vergangenheit zurückblicken kann.

Fünfzehn Kilometer stromaufwärts auf der anderen Rheinseite erhebt sich das goldene >Mainz>, dessen Geschichte eng mit Eltville verbunden ist. Waren es doch die Mainzer Erzbischöfe, die sich das kleine, verträumte Fleckchen im 14. und 15. Jahrhundert zu ihrer bevorzugten Residenz erwählten.

Wie alle Orte am Rhein war Eltville bis ins 19. Jahrhundert hinein auf den Strom ausgerichtet. Er war Hauptverkehrs- und Handelstraße. Der historische Ortskern bildet ein ehemals mit einer Stadtmauer umgebenes Viereck. Das Rheinufer mit seinen historischen Bauwerken und den Resten der Stadtbefestigung präsentiert sich heute als ein in mehr als sieben Jahrhunderten von Landesherren, Kirche, Adel und Bürgern geschaffenes Architekturkunstwerk. In einem vierzig Jahre währenden, erfolgreichen Kampf gegen den Bau einer Umgehungsstraße direkt am Rheinufer gelang es, diese am Mittelrhein einzigartige Situation zu bewahren.

Alta Villa

Der wegen seiner Schönheit und Fruchtbarkeit hoch gepriesene Rheingau war von Alters her ein begehrtes Siedlungsgebiet. Im näheren Umkreis von Eltville reichen Siedlungsspuren bis in die Jungsteinzeit zurück. Reste der römischen Besiedlung hatten sich bis ins 19. Jahrhundert erhalten. Es gibt jedoch keine gesicherten Beweise, dass der in alten Urkunden erscheinende Ortsname „alta villa“ auf diese Zeit zurückgeht. Es ist vielmehr wahrscheinlich, dass es sich dabei um die lateinische Übersetzung eines fränkischen Ortsnamens handelt.

Ausgrabungen auf einem frühmittelalterlichen Gräberfeld beweisen, dass das Eltviller Gebiet seit 460/470 n. Chr. besiedelt war. Der Ort entwickelte sich vermutlich um einen fränkischen Königshof, der sich an Stelle der Kurfürstlichen Burg befand. Dieser bildete den Verwaltungsmittelpunkt des östlichen Rheingaus, der in seiner Gesamtheit durch die so genannte Veroneser Schenkung im Jahre 973 in den Besitz der Mainzer Erzbischöfe überging. 

Aus einer im 11. Jahrhundert verfassten Lebensbeschreibung des Erzbischofs Bardo wissen wir, dass dieser sich gerne in Alta Villa, im Volksmund auch „Eldevile“ genannt, aufhielt. Immer wieder suchten er und seine Nachfolger im nahen Rheingau Zuflucht vor den streitbaren Mainzer Bürgern.

Stadtrechte vom Kaiser

Eltville erlebte seine Blütezeit im 14. und 15. Jahrhundert. Balduin von Trier, der vom Mainzer Domkapitel gewählte, vom Papst aber nicht bestätigte Erzbischof, baute Eltville im Kampf gegen seinen Konkurrenten Heinrich von Virneburg zu seinem Stützpunkt aus. Auf den Trümmern einer in den Zollkriegen 1301 zerstörten Burg begann er 1330 mit dem Bau der heutigen Burg, die er „Trutz Mainz“ nannte. Auf Bitten Balduins verlieh Kaiser Ludwig der Bayer Eltville 1332 besondere Privilegien „nach dem Muster der Stadt Frankfurt“ und damit verbunden auch das Recht, Befestigungsmauern und Gräben anzulegen. Bis in die Mitte des 19. Jh. blieb Eltville die einzige Stadt und Sitz der Zentralbehörden des ganzen Rheingaus.

1344 empfing Balduins Nachfolger, Heinrich von Virneburg, den Besuch des Kaisers in der weitgehend fertig gestellten Burg, die den Mainzer Erzbischöfen und Kurfürsten bis zum Ende des 15. Jh. als bevorzugter Aufenthaltsort diente. Die kleine Stadt war somit Residenz eines der bedeutendsten deutschen Reichsfürsten des Mittelalters. Vom Reichtum und Selbstbewusstsein der Eltviller Bürger zeugt noch heute der hohe, reich geschmückte Kirchturm.

1349 war die Stadt Schauplatz des Kampfes um die deutsche Königskrone. Der glücklose Gegenkönig Günther von Schwarzburg rettete sich vor seinem Kontrahenten, Karl IV., in die Burg, wo er seinen Thronverzicht unterzeichnete. Hier soll er, glaubt man der Limburger Chronik, anschließend vergiftet worden sein. Er starb auf dem Weg nach Frankfurt. Heinrichs Nachfolger, Erzbischof Gerlach von Nassau, begann mit dem Wiederaufbau der Pfarrkirche St. Peter und Paul, der sich bis ins 15. Jh. hinzog.

Der Bauernaufstand im Jahre 1525 sowie die Truppendurchzüge, Besetzungen und Plünderungen der Kriege des 16., 17. und 18. Jh. verursachten schwere Schäden und wirtschaftlichen Niedergang. Die große Pestepidemie von 1666 dezimierte die inzwischen verarmte Bevölkerung, so dass die um 1500 anzunehmende Zahl von ca. 1300 Einwohnern erst im 19. Jh. wieder erreicht und überschritten werden konnte.

Nicht mehr Hauptstadt des Rheingaus

Nach Auflösung des Kurstaates Mainz kamen Eltville und der Rheingau an das Fürstentum und spätere Herzogtum Nassau, das 1866 dem Preußischen Staat einverleibt wurde. Durch die Gründung der Sektkellerei Matheus Müller und den Zuzug vieler reicher Neubürger, die sich prächtige Villen errichteten, erlebte Eltville im 19. Jahrhundert einen großen wirtschaftlichen Aufschwung, verlor aber seinen Status als Hauptstadt des Rheingaus an Rüdesheim. Im Zuge der Gebietsreform im Jahre 1976 wurden vier Nachbargemeinden eingegliedert. Erbach, Hattenheim, Martinsthal und Rauenthal bilden nun gemeinsam mit der Kernstadt die Stadt Eltville am Rhein, mit inzwischen fast 18.000 Einwohnern, die dem gleichzeitig gebildeten Rheingau-Taunus-Kreis mit der Kreisstadt Bad Schwalbach angehört.

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