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Renaturierungen und Starkregenvorsorge zum Schutz der Bevölkerung
Eltville am Rhein. „Im Rahmen des Landesförderprogramms ‚100 Wilde Bäche für Hessen‘ sind aktuell konkrete Planungen für Renaturierungsmaßnahmen am Kiedricher Bach und der Walluf in Arbeit“, erklärt Bürgermeister Patrick Kunkel.
Beide Bäche sollen gemäß den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) von der Quelle bis zur Mündung in einen guten ökologischen Zustand versetzt werden. Konkret sollen die Bäche durchgängiger gestaltet werden. Natürliche Rückhalteräume zur Ausbreitung und Entschleunigung des abfließenden Wassers werden ebenso eingeplant und sollen künftig den Schutz bei Starkregenereignissen noch verbessern. Diese Planungen werden von der Hessischen Landgesellschaft für alle Anliegerkommunen begleitet und zusammengeführt.
Umgesetzte Maßnahmen
In Erbach am Kisselbach ist die Stadt Eltville bereits seit 2019 aktiv und hat in Zusammenarbeit mit dem Abwasserverband Oberer Rheingau (AVOR) bereits viele Maßnahmen umgesetzt. So wurde 2019 eine Risikostudie erstellt. Ein zusätzlicher Geröllfang soll im Bach die Abflussgeschwindigkeit verlangsamen.
Außerdem wurde ein Gittereinlaufkasten an der Verrohrung eingebaut, damit mitgerissene Materialien den Einlauf nicht zusetzen. „Zudem lässt die Stadt weitere Grabentaschen und Versickerungsmulden zur zusätzlichen Rückhaltung und Versickerung von Starkregen im gesamten Stadtgebiet anlegen“, so Kunkel.
Damit Wasser ungehindert abfließen kann, haben die StadtWerke im Regenrückhaltebecken Bachhöll-Mitte Gehölz entfernt. Mittels eines Laserscans wurde zudem das aktuell bestehende Volumen berechnet.
An ausgewählten Stellen hat die Stadt mit dem AVOR und dem Fachplaner Pegelmesser installiert und einen neuen Schieber im Regenrückhaltebecken Bachhöll-Mitte eingebaut, der manuell und digital steuerbar ist. „Gerade zur manuellen Schiebereinstellung bei Starkregen stehen wir auch immer im Austausch mit der Feuerwehr“, so der Rathauschef weiter.
Geplante Maßnahmen
2026 soll im Regenrückhaltebecken Bachhöll-Mitte eine neue Steuerung für den Schieber eingebaut werden. Außerdem wird geprüft, wie das Wasser bei Regen abfließt. Danach wird der Schieber so eingestellt, dass er künftig automatisch digital gesteuert werden kann. Zudem soll in diesem Jahr eine Feuerwehrübung organisiert und das Regenrückhaltebecken durch zusätzlichen Aushub um rund 1.250 m³ erweitert werden. Auch oberhalb von Kloster Eberbach soll am Kisselbach im Bereich „Gaisgarten“ mehr Platz für Wasser geschaffen werden.
Unterstützung von Grundstückseigentümern gefragt
Mittelfristig ist der Ankauf oder Tausch von zusätzlichen Flächen im Rahmen der Flurbereinigung Erbach zur Erweiterung des Retentionsraumes des Kisselbaches an der „Alten Eiche“ und „Schaafswiese“ geplant, langfristig die Ausweisung eines Gewässerrandstreifens entlang des Baches. „Wir bitten alle Grundstückseigentümer in diesem Zusammenhang die Bereitstellung des Uferrandstreifens zwecks Starkregenvorsorge zu erwägen“, so Bürgermeister Kunkel. Dies sei ohne Verkauf auch über die Eintragung einer Renaturierungserlaubnis sowie ggf. eines Überfahrtrechtes als Grunddienstbarkeit zugunsten der Stadt möglich.
Gemäß gesetzlicher Regelungen im Wasserrecht muss der 10 Meter breite Uferrandstreifen an Gewässern ohnehin von landwirtschaftlicher Nutzung freigehalten werden. Spritzmittel, Dünger, Gebäude, Kompost und Ablagerungen sind nicht zulässig. Die Gefahr bei Starkregen ist hier besonders hoch: Von hier abgeschwemmte Materialien können Engstellen und Abflüsse blockieren.
Wenn sich dann Anlandungen plötzlich lösen, fließt das angestaute Wasser ungebremst ab und kann eine gefährliche Hochwasserwelle bilden, wie dies tatsächlich in Erbach 1990 geschehen ist. „Für zwei Bürger kam jede Hilfe zu spät, sie ertranken im Keller. Infolge dieses tragischen Ereignisses wurde das Regenrückhaltebecken Bachhöll-Mitte, das nun erweitert werden soll, bereits 1992 im Rahmen der Flurbereinigung Erbach errichtet“, erklärt Kunkel.
Starkregengefahrenkarten zur Orientierung der Bürgerinnen und Bürger bezüglich Einschätzung privater Starkregenvorsorge sowie allgemeine Informationen zum Thema sind online unter https://www.eltville.de/leben-wohnen/nachhaltiges-eltville/klimaschutz-anpassungen/starkregen/ abrufbar.
Eltville am Rhein, 10. März 2026


