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Rosen- oder Baumgarten als letzte Ruhestätte


Eltville am Rhein. Es ist früher Nachmittag, auf der Krone eines schattenspenden Baumes singt eine Amsel fröhlich ihr Lied, während sich zwei Frauen auf einer der Ruhebänke unterhalten. Die Szenerie spielt sich nicht etwa in einem Park, sondern auf dem Eltviller Friedhof ab. „Friedhöfe werden vermehrt als Ruhe- und Erholungsorte genutzt“, weiß Patrizia Zey vom Grünflächenamt der Stadt Eltville. Das sei kein Wunder, denn der Eltviller Friedhof sei eine der größten Grünflächen innerhalb der Stadt, so Zey.

Friedhöfe werden immer grüner

Tatsächlich werden die Friedhöfe der Stadt Eltville nach und nach sogar noch grüner. Seit einigen Jahren kommt hier nämlich zum Schutz von Menschen und Umwelt kein Glyphosat mehr zum Einsatz. „Klassische, pflanzenfreie Schotterwege gibt es nicht mehr“, erklärt Friedhofsgärtner Matthias Bleul. Mittlerweile sei die Akzeptanz in der Bevölkerung dafür auch größer geworden, freut sich Bleul. 

Gemeinsam mit drei weiteren Kollegen ist er für die Pflege von den insgesamt sieben Friedhöfen der Stadt Eltville verantwortlich. Dabei reichen die Aufgaben aber weit über die Pflege hinaus: Neben der Betreuung und Beratung der Angehörigen, beispielsweise bei der gemeinsamen Auswahl des Grabes, begleitet das Team auch alle Beisetzungen und ist als Urnen- oder Sargträger im Einsatz. „Wir sind die Ansprechpartner draußen – hier reicht es manchmal schon aus, einfach ein offenes Ohr zu haben“, weiß Bleul, der diese sinnstiftende Aufgabe in fast 30 Jahren „keinen Tag bereut“ hat.

Gemeinschaftsgrabfelder immer beliebter

Neben den traditionellen Grabstätten, Erd- und Urnengrabfeldern, bietet die Stadt Eltville am Rhein auch besondere Alternativen an. „Sehr beliebt sind unsere Baum- und Rosengärten“, erzählt Annika Schäfer vom Friedhofsamt der Stadt. Bei diesen Gemeinschaftsgrabfeldern werden keine Grabsteine aufgestellt, sondern Schilder mit den Namen der Verstorbenen an einer Gedenkmauer angebracht – drumherum finden sich Bäume oder Rosen. Es handelt sich dabei um eine für die Angehörigen pflegefreie Alternative, denn die Rosen- bzw. Baumgärten werden von den Friedhofsgärtnern gepflegt.

„Mittlerweile gibt es mehr Urnenbestattungen als früher“, erzählt Schäfer weiter. Sie koordiniert die Beisetzungstermine und steht vor allem im Austausch mit den Bestattungsunternehmen. Kleinere Gräber und Gemeinschaftsgrabfelder mit weniger Pflegeaufwand seien immer gefragter. „Wir gehen als Stadt diesen Wandel mit und bieten neue Bestattungsformen an“, erzählen Bleul, Schäfer und Zey. Grabformen, die positiv ankommen, baut die Stadt auf allen Friedhöfen seit Jahren konsequent aus und kann inzwischen in jedem Stadtteil Gemeinschaftsgrabstätten anbieten.

Bei der richtigen Auswahl der Grabform sei die Beratung besonders wichtig. „Auf den Gemeinschaftsgrabfeldern darf beispielsweise weder auf den Grünflächen noch auf den vorhandenen Steinen über Urnenerdkammern etwas abgelegt werden“, erklärt Bleul. „Ansonsten wird uns leider die Pflege der Flächen erheblich erschwert, weil wir Gedenkschmuck beiseite räumen müssen.“ Wer dies möchte, für den sei eher eine klassischere Grabform geeignet. Die endgültige Entscheidung hänge davon ab, was den Angehörigen in ihrer Trauer wichtig sei. Bei der richtigen Auswahl der Grabform helfen auch die Bestattungsunternehmen mit ihrer langjährigen Erfahrung mit Trauer weiter.

Erdbeeren statt Blumen: Trauerkultur im Wandel

Beim Spaziergang über den Eltviller Friedhof zeigt sich, was gelebte Trauerkultur bedeutet: Statt Blumen sind auf einem Grab Erdbeeren eingepflanzt, ein anderes Grab ist mit Wingertsknorzen geschmückt. „Viele kommen auch an Geburtstagen zum Anstoßen oder Kuchenessen mit ihren verstorbenen Liebsten her“, erzählt Bleul.

Für die Zukunft der Friedhöfe wünscht sich Zey, dass sie als Orte der Geschichte, der Kultur und des Zusammenseins wahrgenommen werden. „An keinem anderen Ort kann man so durch die Zeit wandeln, wie auf einem Friedhof“, sagt sie. Von Grüften, über Kriegsgräber hin zu modernen Grabstätten wie den Rosengärten sei hier alles zu finden. Friedhöfe sind und bleiben, da ist sich das Trio einig, besondere Orte innerhalb einer Stadt.

Neben klassischen Erd- und Urnengräbern gibt es auf den Eltviller Friedhöfen auch Urnenwände, Grüfte und Tiefengräber, Gemeinschaftsgrabfelder wie die Rosen- und Baumgärten bzw. in Erbach einen Baumhain, anonyme Grabfelder und den Sternengarten für Sternenkinder.

Welche Bestattungsmöglichkeiten und Gebühren es in Eltville am Rhein gibt, lesen Interessierte online unter www.eltville.de/friedhoefe.

Eltville am Rhein, 8. Juni 2026