klimaanpassung
Großes Interesse am Praxisaustausch zum dezentralen Wasserrückhalt im Offenland
Martinsthal. Angesichts der anhaltenden Hitze und der dadurch stark austrocknenden Böden wurde deutlich, wie aktuell und wichtig das Thema Wasserrückhalt in der Landschaft ist. In mehreren Kurzvorträgen aus Wissenschaft und Praxis erläuterten Fachleute verschiedene Maßnahmen zum dezentralen Wasserrückhalt, stellten Praxisbeispiele vor und berichteten über ihre Erfahrungen bei deren Umsetzung.
- Prof. Eckhard Jedicke von der Hochschule Geisenheim erläuterte die Bedeutung des Landschaftswasserhaushalts und machte deutlich, weshalb es insbesondere im Rheingau als wasserarme Region wichtig ist, eine Schwammlandschaft zu entwickeln, in der Niederschläge abgefangen, Abfluss verlangsamt und überschüssiges Wasser vorrübergehend gespeichert wird.
- Ruth Bindewald (Hochschule Geisenheim) und Hannah Fröb (interkommunale Klimaanpassungsmanagerin) gaben einen Überblick über die wichtigsten dezentralen Wasserrückhaltemaßnahmen aus dem Praxisleitfaden Naturnaher Wasserrückhalt im Rheingau sowie über die Vielzahl an Akteuren, die für eine erfolgreiche Umsetzung relevant sind.
- Christian Bolte vom Forstamt Rüdesheim berichtete über Beispiele bereits umgesetzter dezentraler Wasserrückhaltemaßnahmen im Staatswald und wie diese nicht nur für den umliegenden Wald, sondern auch für das Offenland und die gesamte Landschaft von Relevanz sein können.
- Jochen Quasten von den Stadtwerken Geisenheim stellte bereits in den Geisenheimer Gemarkungen umgesetzte Maßnahmen wie Sickerpackungen, Retentionsmulden im Nebenschluss von Entwässerungsgräben und die Renaturierung von Entwässerungsrinnen vor.
- Jorin Herbst vom Institut für angewandtes Stroffstrommanagement (IfaS) berichtete über erfolgreiche Beispiele produktionsintegrierter dezentraler Wasserrückhaltemaßnahmen aus Rheinland-Pfalz und Sachsen, die aufgrund der limitierten Flächenverfügbarkeit auch in unserer Region zunehmend relevant werden dürften.
- Boris Eggert-Berndt vom Bauamt der Stadt Oestrich-Winkel stellte geplante dezentrale Wasserrückhaltemaßnahmen wie Teilentsiegelungen von Entwässerungsrinnen vor, die im Rahmen des interkommunalen Klimaanpassungsmanagements in den nächsten Jahren auf städtischen Flächen umgesetzt werden sollen.
Die geplante Exkursion zu den Wasserrückhaltemaßnahmen oberhalb von Martinsthal wurde hitzebedingt kurzfristig abgesagt. Alternativ wurde eine Fotoreise durchgeführt, bei der die vorgesehenen Maßnahmen vorgestellt wurden. Stefan Seyffardt, Leiter der Stadtwerke Eltville, berichtete gemeinsam mit den beiden Stadtwerke Mitarbeitenden Herr Ernst und Herr Matloff aus der Arbeit der Stadtwerke bei der Umsetzung und Instandhaltung von Kleinrückhaltemaßnahmen und gab Einblicke in die damit verbundenen Herausforderungen.
In der Diskussion wurden vielfältige Herausforderungen und Bedarfe auf dem weiteren Weg zur Schwammlandschaft diskutiert. Eine zentrale Herausforderung ist die Flächenverfügbarkeit: Kommunen im Offenland stehen nur sehr begrenzt Flächen für dezentralen Wasserrückhalt zu Verfügung; diese liegen zumeist an oder auf linearen Strukturen wie Wegen und Grabenstrukturen, in denen Wasser bereits konzentriert abfließt. Um dem Ziel einer „Schwammlandschaft“ näher zu kommen, wird es daher auch mehr flächige, teils produktionsintegrierte Maßnahmen auf privaten Flächen brauchen.
Auch alternative Finanzierungsmöglichkeiten für dezentrale Wasserrückhaltemaßnahmen – z.B. über Sponsoring, die Tourismusabgabe oder eine stärkere Verzahnung des Themas mit der Tourismusbranche – wurden diskutiert. Auch ging es darum, wie mehr Menschen und Akteure in der Region für praktischen dezentralen Wasserrückhalt aktiviert werden können, wie Maßnahmenstandorte identifiziert und priorisiert werden und dass eine effiziente Koordination und Zusammenarbeit zwischen den vielfältigen relevanten Akteuren wichtig für die Umsetzung von Maßnahmen besonders sind. Deutlich wurde auch, dass nicht nur die Umsetzung vieler weiterer Wasserrückhaltemaßnahmen wichtig ist, sondern auch deren langfristige Pflege und Instandhaltung, wofür gut aufgestellte kommunale Bauhöfe essentiell sind.
Ruth Bindewald, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Geisenheim und eine der Organisatorinnen, fasst zusammen: „Die Veranstaltung unterstrich, dass ein erfolgreicher Wasserrückhalt nur durch die enge Zusammenarbeit und das gemeinsame Handeln von Kommunen, Landnutzenden und vielen weiteren Akteuren gelingen kann.“
Die Veranstaltung wurde gemeinschaftlich organisiert von der Hochschule Geisenheim, dem interkommunalen Klimaanpassungsmanagement im Oberen Rheingau+ sowie dem Zweckverband Rheingau.
Eltville am Rhein, 23. Juli 2026


