Auf Gutenbergs Spuren

„Trip to Democracy“ von Eltville nach Mainz


Eltville am Rhein/Mainz. Am Freitag, 28. August 2026, stand Johannes Gutenberg im Mittelpunkt einer besonderen Schulveranstaltung: Rund 90 Schülerinnen und Schüler des Eltviller Gymnasiums und der Gutenberg-Realschule beschäftigten sich gemeinsam mit ihren Lehrkräften im Rahmen eines medienpädagogischen Programms mit der Erfindung des modernen Buchdrucks mit beweglichen Lettern und seiner Bedeutung für Gesellschaft, Bildung und demokratische Teilhabe.

Andrea Schüller, Stabsstelle Kommunikation und Transformation bei der Stadt Eltville, begrüßte die Schülerinnen und Schüler stellvertretend für Bürgermeister Patrick Kunkel, und betonte die Wichtigkeit einer solchen Veranstaltung für die demokratische Bildung. Die städtische Kulturamtsleiterin Barbara Lilje erläuterte in ihrem anschließenden Grußwort, dass die städteverbindende Schifffahrt eine Veranstaltung im Rahmen von World Design Capital 2026 ist und bedankte sich bei den Partnern und Förderern. 

Den Auftakt bildete eine Führung durch Eltville, die an der Kurfürstlichen Burg begann. Dabei erfuhren die Teilnehmenden, welche Verbindung zwischen der größten Stadt des Rheingaus und Johannes Gutenberg besteht. Der in Mainz geborene Erfinder hielt sich regelmäßig in Eltville auf, wo sein älterer Bruder Friele Gensfleisch lebte und wirkte. 1465 erhielt Gutenberg in Eltville von Kurfürst Adolf von Nassau die einzige bekannte Ehrung zu seinen Lebzeiten: Er wurde zum Hofmann ernannt.

Nach diesem Rundgang hieß es „Leinen los“: Mit dem Charterliner „van de Lücht“ führte die Reise flussabwärts nach Mainz. Schon die Fahrt machte die jahrhundertelange Verbindung beider Städte unmittelbar erlebbar: 820 Jahre lang gehörte der Rheingau zu Mainz und die Kurfürstliche Burg Eltville war einst Sommerresidenz der Mainzer Erzbischöfe.

Gutenbergs Erfindung und die Revolution des Wissens

In Mainz angekommen, stand der Besuch des Gutenberg-Museums auf dem Programm. Die Jugendlichen erhielten eine kurzweilige Führung und konnten an verschiedenen Stationen ganz konkret erfahren, wie sich die Möglichkeiten der Informationsverbreitung seit Gutenberg verändert haben.

Ein besonderer Höhepunkt des Rundgangs war die berühmte Schatzkammer mit den mittelalterlichen Bibeldrucken. In der Druckwerkstatt konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst erleben, wie aus einzelnen Lettern und Farbe ein gedrucktes Blatt entsteht. Ein großes historisches Modell der Stadt Mainz machte deutlich, welche Orte einst für das Leben und Wirken des Erfinders relevant waren. Zum Abschluss bestand noch die Möglichkeit, das Museum auf eigene Faust zu erkunden, bevor es dann mit dem Schiff zurück nach Eltville ging.

Große Resonanz auch bei öffentlicher Exkursion

Am Folgetag wurde die gleiche Exkursion als öffentliche Veranstaltung angeboten. Über 100 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, in die Geschichte des Buchdrucks und seiner Bedeutung für die heutige Demokratie einzutauchen.

Teilnehmende von hinten zu sehen hören Mitarbeiterin im Gutenbergmuseum zu, die etwas zur Druckwerkstatt erklärt
Druckwerkstatt im Gutenbergmuseum Mainz am Samstag

Museumsdirektor Dr. Ulf Sölter begrüßte die Gäste persönlich, bevor die Museumsführerinnen und -führer bei verschiedenen Stationen das Leben und Wirken des Erfinders vertieften. Dabei ging es nicht nur um die historischen Wurzeln und die technische Genialität des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Vor allem zeigte sich, welche gesellschaftlichen Veränderungen Gutenbergs Erfindung auslöste und wie sie zur Grundlage der modernen Demokratie wurde: Wissen konnte plötzlich in bislang ungekanntem Umfang vervielfältigt und verbreitet werden. Öffentlich zugängliche Informationen ermöglichten Meinungsbildung und Teilhabe.

„Trip to Democracy“ war eine Kooperation der Stadt Eltville am Rhein, des Burg- und Gutenbergs-Vereins Eltville und des Gutenberg-Museums Mainz. Die Veranstaltung war Teil des globalen Projekts World Design Capital und wurde von diesem finanziert. Diese Förderung sowie die großzügige Beteiligung der Nassauischen Sparkasse (NASPA) machten die Veranstaltung möglich.

Im Jahr 2026 trägt die Region Frankfurt Rhein Main den Titel World Design Capital 2026 unter dem Motto „Design for Democracy. Atmospheres for a better life – Gestalten wir, wie wir leben wollen“. Gefördert wird die Initiative durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

Eltville am Rhein, 1. September 2026